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August 2016 - Thema des Monats: Von New York nach Durban
THEMA DES MONATS

August 2016 - Thema des Monats: Von New York nach Durban

Am 8. Juni 2016 wurde die neue politische Absichtserklärung 2016 der UN Generalversammlung „On the Fast-Track to accelerate the fight against HIV and to End the AIDS Epidemic by 2030” in New York verabschiedet. Es war das erste verbindliche hochrangige Treffen zur Bekämpfung von HIV/Aids nach der Verabschiedung der Agenda 2030 im September 2015.

(Foto: 21st International AIDS Conference, 18-22 July 2016 GovernmentZA/flickr)

Warum war dieses Treffen wichtig?

Regierungen aus der ganzen Welt trafen sich am 8. Juni im UNO Hauptsitz, um eine politische Deklaration zur globalen Bekämpfung von HIV/Aids, für die nächsten 5 bis 10 Jahre zu unterschreiben. Das Dokument beinhaltet wichtige Ziele hinsichtlich HIV Behandlung und Prävention, sowie bezüglich der Umsetzung der Menschenrechte und weiterer notwendiger Investitionen.

Die politische Deklaration ist rechtlich nicht bindend, aber ein sehr gutes Instrument, vor allem für die Menschen in den Entwicklungsländern, für die Betroffenen und  für die AktivistInnen aus der Zivilgesellschaft, um ihre Regierungen an deren Pflichten und Zusagen bezüglich der versprochenen HIV/Aids Interventionen zu erinnern. Alle Regierungen der Welt anerkennen, dass die HIV-Epidemie nach wie vor eine globale Notsituation ist und eine immense Herausforderung darstellt.

Alle Regierungen verpflichteten sich, das Ziel bis zum Jahr 2020 zu erfüllen: Die HIV-Neuinfektionen sollen auf 500.000 gesenkt werden, weniger als 500.000 Menschen sollen an AIDS-bedingten Krankheiten sterben und niemand soll mehr aufgrund einer HIV-Infektion diskriminiert und stigmatisiert werden (Paragraph 56).

Diese Ziele stehen im Zusammenhang der UNAIDS fast-track approach 90-90-90: 90% der Menschen, die mit HIV leben (Kinder, Jugendliche und Erwachsene) kennen ihren HIV Status, 90% die ihren Status kennen, haben Zugang zur Behandlung und 90% dieser Menschen haben eine Virenbelastung, die unterdrückt ist.

Gleichzeitig hat sich die globale Gemeinschaft verpflichtet alles  zu unternehmen, damit AIDS bis 2030 keine Gefahr mehr für die öffentliche Gesundheit darstellt. Das heisst, dass sich nur noch wenige mit HIV infizieren, weil diejenigen, die infiziert sind, in Behandlung sind und somit die Infektion nicht weitertragen. WissenschaftlerInnen sind sich einig, wenn wir die Massnahmen im Kampf gegen HIV/Aids in den nächsten fünf Jahren verstärken (im Sinne des „Fast-Track“), kann dieses Ziel erreicht werden.

Die Ziele sind zwar klar, jedoch so ambitiös,dass sich die globale Gemeinschaft nicht  einig darüber ist, wie die Ziele erreicht werden können. Dies wurde auch an der größten wissenschaftlichen Konferenz zu HIV und Aids in Durban, Südafrika diskutiert. Die 21. Konferenz, die zum zweiten Mal in Durban vom 18. bis 22. Juli 2016 stattfand, stand im Zeichen des Ziels, Aids bis 2030 zu beenden.

 

Video: Eröffnungsrede von Charlize Theron

Zweifellos haben wir im Kampf gegen Aids sehr viel erreicht. Heilung ist aber noch lange nicht in Sicht.

Wir wissen nun, dass Menschen nicht mehr infektiös sind, wenn sie die HIV-Therapie gewissenhaft verfolgen. Mehr und mehr Länder setzen die „Test and Treat“- auch bekannt als „Treat All“ Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation um. Das heisst, dass allen HIV positiv diagnostizierten Menschen eine Behandlung zusteht.

Eine Therapie zu beginnen, ist nicht einfach, weil die Medikamente den Virus lediglich unterdrücken und nicht besiegen. Dies stellt die Weltgemeinschaft vor grosse Herausforderungen, weil zusätzlich zu den zurzeit 17 Millionen Menschen, die Zugang zur Therapie haben, geschätzte weitere 20 Millionen noch keinen Zugang haben. Ca. 2 Millionen Menschen werden pro Jahr neu infiziert.

Die Erforschung von langzeitwirkenden Medikamenten, die nur noch alle 2 oder 3 Monate eingenommen werden müssen, ist im Gange und vielversprechend. Eine Impfung ist leider noch nicht in Sicht.

PreP (Präexpositionsprophylaxe) Programme haben während der Konferenz viel Aufmerksamkeit bekommen und sind als wirksame Präventionsform bekannt. Afrikanische VertreterInnen waren jedoch sehr skeptisch hinsichtlich der Durchführbarkeit im afrikanischen Kontext.

Die hohe Infektionsrate bei Jugendlichen vor allem bei jungen Frauen war ein weiteres wichtiges Thema. Man war sich einig: Interventionen müssen nicht nur bei Schulkindern durchgeführt werden, denn viele junge Frauen, die nicht zur Schule gehen können, sind infiziert und WER steckt sie an? Interventionen müssen die sogenannten „sugar daddies“ or “blessers” besser erreichen.

Die Infektionsrate bei Kindern ist stark gesunken, dank besserer Versorgung von schwangeren Frauen und dem PMTCT Programm. Weltweit bekommen fast die Hälfte der  HIV-positiven Kinder eine Behandlung.

Wenn wir die Zwischenziele bis 2020 erreichen wollen, die entscheidend für das Ende von Aids sind, muss die Weltgesundheit jetzt investieren!

Unüberhörbar war der Ruf nach einer vollen Finanzierung des Globalen Fonds während der Wiederauffüllungskonferenz im September dieses Jahres in Canada. Es ist die fünfte Wiederauffüllungskonferenz und der Globale Fonds erwartet ein Minimum von 13 Milliarden US Dollars, um seine Ziele in den kommenden Jahren zu erreichen.

Auch UNAIDS bekommt die gekürzten Beiträge einiger Länder zu spüren. So fehlen der Organisation 80 von 240 Millionen Dollar für das kommende Jahr. Der ungünstige Wechselkurs stellt weitere Probleme dar.

„Keep the Promise 2016“

AktivistInnen von überall haben sich dem Marsch „Keep the Promise 2016“ am 16. Juli angeschlossen. Die HIV/Aids Epidemie stellt uns vor neue Herausforderungen und es gilt das Versprechen auch in Zukunft zu halten. Es braucht genügend Finanzierung, um die grosse Menge an Medikamenten bereitstellen zu können, die aufkommenden Resistenzen bekämpfen, Stigmatisierung und Diskriminierung abbauen zu können und Frauen zu befähigen, sich besser vor ungeschütztem Geschlechtsverkehr zu schützen. Gerade in diesem Bereich müssen Männer lernen, mehr Respekt für sich und ihre Mitmenschen zu entwickeln.

AIDS activists attend the "Keep The Promise 2016" march through the streets of Durban. (Photo: AFP)


References

    HLM 2016

      AIDS conference 2016