Themen und Ressourcen
Aids 2018 im Zeichen der Krise
Politik und Strategien

Aids 2018 im Zeichen der Krise

UNAIDS läutet zum Auftakt der Welt-Aids-Konferenz 2018 in Amsterdam die Alarmglocken: Die Zeit rennt uns davon! „We are not on track to end the global AIDS crisis!“ Diese Botschaft war an der Konferenz in Amsterdam immer wieder zu hören. Führende ExpertInnen und WissenschaftlerInnen zeichneten an der mit 16'000 TeilnehmerInnen grössten internationalen Konferenz zu einem globalen Gesundheitsthema ein ernüchterndes Bild: Geldmangel, fehlender politischer Wille, Diskriminierungen und Menschrechtsverletzungen lassen befürchten, dass die im Griff geglaubte Aids Epidemie vielerorts wieder neu entflammt. Mark Dybul, bis vor kurzem Direktor des Globalen Fonds warnte vor der Konferenz, dass die Welt gegenwärtig so gefährdet ist, wie nie zuvor, die Kontrolle über die Epidemie zu verlieren. (Welt-Aids-Konferenz 2018 in Amsterdam. Foto: MMS)

Im Folgenden eine kleine Auswahl von wichtigen an der #AIDS2018 diskutierten Themen.

Hat UNAIDS zu früh das Ende von Aids bis 2030 propagiert?

Die Zahlen sprechen für sich: 1.8 Millionen Menschen haben sich im Jahr 2017 neu mit HIV infiziert (UNAIDS Fact Sheet). Beinahe eine Million Menschen sind 2017 an Erkrankungen im direkten Zusammenhang mit Aids gestorben und in etwa 50 Ländern stiegen die Infektionsraten gegen den weltweiten Trend wieder an, allen voran in Osteuropa und Zentralasien, wo die Epidemie ausser Kontrolle geraten ist.

Präsentation von Peter Piot an der Welt-Aids-Konferenz 2018. Foto: MMS


Ein Finanzierungsloch von 6 Milliarden

Die Investitionen der internationalen Gemeinschaft sind zwischen 2013-2016 um 20% zurückgegangen (IAS-Lancet Report 2018: Advancing Global Health and Strengthening the HIV Response in the SDG Era) und wichtige Programme mussten eingestellt werden: „In 2015 – the same year that countries adopted the 2030 Agenda for Sustainable Development and its pledge to leave no one behind – donor funding for AIDS fell by 13 percent“ (Fact Sheet Law and HIV). Die Finanzierung ist für die AIDS-Bekämpfung von grundlegender Bedeutung und neue Daten vom „Institute for Health Metrics and Evaluation“, die im Rahmen der Welt-Aids-Konferenz veröffentlicht wurden, zeigen eine Lücke von 6 Milliarden US-Dollar zwischen dem, was verfügbar ist und dem, was erforderlich ist, um die Ziele bis 2030 zu erreichen.

Peter Sands, Direktor des Global Funds an der Welt-Aids-Konferenz in Amsterdam 2018. Foto: MMS


Nach mehreren Jahren der Pauschalfinanzierung haben die Hälfte der grossen Geberregierungen ihre HIV-Verpflichtungen im Jahr 2017 gesenkt und es sind keine neuen bedeutenden Finanzierungszusagen eingegangen. Verursacht durch die Trump-Politik und das Inkrafttreten der Global-Gag Rule wurden ausserdem wichtige Programme von heute auf morgen gestoppt (Donor cuts could threaten global progress on HIV, new research warns). Beklagt wird auch der Rückzug des Global Fund aus sog. Ländern mit oberem mittlerem Einkommen: So erhalten z.B. West- und Zentralafrika im Vergleich zum vorherigen Finanzierungszeitraum ein Drittel weniger finanzielle Unterstützung durch den Globalen Fond (GF). Ebenso wird für Mali und Sierra Leone ein Rückgang der Mittel durch den GF erwartet. Man muss sich fragen: Gehören diese Länder auch zu den Staaten mit oberem mittlerem Einkommen?

Protest gegen die Ausrichtung der nächsten Welt-Aids-Konferenz in San Francisco 2020. Foto: MMS

 

#AIDS2018 - ein wichtiges Ereignis

Trotz aller Ernüchterung war die 22. Welt-Aids-Konferenz unter dem Motto „Barrieren durchbrechen – Brücken bauen“, auch ein Meilenstein auf dem Weg zu einer Welt ohne HIV. Das Treffen von WissenschaftlerInnen, MedizinerInnen, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Betroffenen, PolitikerInnen und einer neuen Generation von jungen und starken AktivistInnen aus über 160 Nationen bot eine einmalige Gelegenheit der Vernetzung, des Austausches und der Bündelung von Wissen und Energien. Neuste Ergebnisse der Impfforschung und zu Heilungschancen wurden vorgestellt und obwohl hier noch kein Durchbruch erzielt wurde, können Fortschritte in der Forschung verbucht werden. Viele begrüssten den neuen Realismus in der Diskussion und das Ende der „Träumereien“ der letzten Jahre, das Ende von Aids könne schon bald herbeigeführt werden. Die Konferenz zeigte auf, was in den nächsten Jahren getan werden muss, um die Epidemie in den Griff zu bekommen.

Linda Bekker, eine der AutorInnen bei der Vorstellung des IAS-Lancet Berichts „Advancing Global Health and Strengthening the HIV Response in the SDG Era“. Foto: MMS


Fokus: #Integration

Wichtige Erkenntnisse brachte der Bericht der International AIDS Society-Lancet Kommission „Advancing Global Health and Strengthening the HIV Response in the SDG Era“, der in Amsterdam vorgestellt wurde. Die Kommission aus führenden internationalen Public Health Experten, plädiert für einen Ansatz, der HIV-Programme ebenso wie die Behandlung von Tuberkulose in bestehende Gesundheitsprogramme integriert und diese aus ihrem bisherigen Silo-Dasein herausführt.

Dies ist auch unerlässlich um Universal Health Coverage zu erreichen, unterstreicht der Direktor der WHO, Dr. Tedros, den Bericht der Kommission: „We have not truly helped a gay man if we give him PrEP but leave his depression untreated....

"Chase the virus not the peopel!" Kampagne an der AIDS2018 gegen die zunehmende HIV-Epidemie in Osteuropa und Zentralasien. Foto: MMS


Fokus: #Key populations werden zuwenig von den Programmen erreicht

Die Datenlage zeigt, wo sich die Epidemie hauptsächlich manifestiert: In Subsahara-Afrika finden wir dramatisch ansteigende Infektionsraten bei Jugendlichen vor allem bei Mädchen und jungen Frauen, ausserhalb Afrikas sind klar die sog. Key populations am stärksten von HIV betroffen (Session „Endemic Transition“). Wir werden nicht erfolgreich sein, wenn wir den Fokus nicht stärker auf diese Gruppen richten: Marginalisierte Menschengruppen, wie SexarbeiterInnen, Männer, die Sex mit Männern haben, DrogenkonsumentInnen sowie Transgender.

Die Etappenziele 90-90-90 bis zum Jahr 2020 sind gefährdet und wie die aktuellen Zahlen belegen 90-81-73 (90 getestet; 81% in Behandlung; 73% weisen eine Viruslast unterhalb der Nachweisgrenze auf), haben wir noch einen langen Weg vor uns haben (UNAIDS 2018: Miles to go). Entscheidend sind vor allem die letzten 10-10-10. Diese letzte Etappe verkörpert die Menschen, die wir nicht erreichen. Wenn wir hier erfolgreich sein wollen, dann müssen wir uns vor allem auf die Key populations konzentrieren und unsere Ressourcen nicht nur dort einsetzen, wo wir schnelle Erfolge erzielen, damit aber den Kern der Epidemie vernachlässigen (AIDS2018 – Plenary Session: Breaking Barrieres and Building Bridges Between our Response towards Universal Health).

Präsentation von Peter Piot an der Welt-Aids-Konferenz 2018. Foto: MMS


Fokus: #Jugend Tsunami

Jugendliche und junge Menschen haben die diesjährige Konferenz erstmals dominiert. Noch nie standen sie so im Fokus einer Weltaidskonferenz wie 2018, noch nie haben so viele Jugendliche teilgenommen und noch nie gab es so viele Sessionen mit und über sie.

Angesichts alarmierender Zahlen ist dies dringend notwendig: So infizieren sich jede Woche ca. 7000 junge Frauen im Alter zwischen 15-24 Jahren mit HIV, vor allem in Subsahara-Afrika. Gleichzeitig gab es weltweit noch nie eine so junge Population wie gegenwärtig: 2016 waren 43% der Bevölkerung in Ländern mit niedrigem Einkommen unter 15 Jahren (Data, Worldbank 2017). Manche sprechen auch von einem Jugend-Tsunami, mit dem wir uns in den nächsten Jahren konfrontiert sehen.

Die Botschaft war klar: Wenn die nachwachsende Generation nicht von den Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten erreicht wird, werden die Fortschritte im Kampf gegen Aids der vergangenen Jahrzehnte zunichte gemacht.

Für die südafrikanische Schauspielerin Charlize Theron, wiederholt eine grosse Fürsprecherin für die Anliegen junger Menschen, gibt es keine Entschuldigung dafür, dass nicht genügend jugend-freundliche Angebote, die Jugendliche umfassend zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte (SRHR) und HIV aufklären, zur Verfügung stehen.

Charlize Theron moderierte die Session #PasstheMIC. Foto: MMS


In einigen der Sessionen kamen HIV-positive Jugendliche selbst zu Wort und gaben beeindruckende Statements (AIDS2018 #PassTheMic: Meaningful youth participation in the fight against HIV).

Ihre Forderungen waren klar:

  • Wir wollen nicht nur gefragt werden, sondern wir wollen selbst über die Strategien, Programme und Massnahmen entscheiden, die uns betreffen: Wir sind die Generation, die Aids beenden kann!
  • Wir fordern ein Vetorecht gegenüber Projekten, die sich an uns richten, aber von Erwachsenen entwickelt wurden.
  • HIV sollte nicht länger wie in einem Vakuum gehandhabt werden, es muss in eine umfassende sexuelle Erziehung integriert werden. Wir brauchen eine Aufklärung, die ohne Stigmatisierung über Sex und HIV informiert. Wir sind eine Generation, die keine Angst hat, über Sexualität zu reden.

#PasstheMIC: Jugendliche berichteten an der Welt-Aids-Konferenz in Amsterdam über die Herausforderungen eines Lebens mit HIV im Alltag. Foto: MMS

Sie beklagten:

  • Mangelnde Aufklärung- und Informationsmöglichkeiten, kaum jugendfreundliche Beratungs- und Familienplanungsangebote
  • Öffnungszeiten von Gesundheitseinrichtungen sind nicht an die Lebensumstände von Jugendlichen angepasst und beispielsweise nur geöffnet, wenn Jugendliche in der Schule sind.
  • Häufig diskriminierendes Verhalten des Gesundheitspersonals. Dieses ist wenig auf die Ängste und Probleme von jungen Menschen sensibilisiert, wenig geschult um das Vertrauen der Jugendlichen zu gewinnen.
  • Wer kümmert sich um unsere psychischen Probleme? Viele HIV-positive Jugendliche, auch wenn sie täglich ihre Medikamente nehmen, haben ernsthafte psychische Probleme: „I have psychological problems, which are killing me every day“ (Speaker from India) Die Angst vor Stigma und Diskriminierung ist allgegenwärtig: „That’s why youth are dying because of it.“ (Speaker from India). Psychosoziale Unterstützung wird vermisst: „Giving me medicine does not mean I am going to take it. This has been proven“ (Speaker from Malawi) (AIDS2018 #PassTheMic: Meaningful youth participation in the fight against HIV).

    Aktionen im Global Village. Welt-Aids-Konferenz 2018. Foto: MMS


    Fokus: #Prävention in der Krise!

    Die wachsende Konzentration auf die medikamentöse Behandlung hat in den letzten Jahren zu einer völligen Unterfinanzierung von Basiskampagnen und effektiven Präventionsmassnahmen zur Eindämmung der Krankheit  geführt.

    Einfache Massnahmen wie der Einsatz von Kondomen werden völlig vernachlässigt, so die Kritik. Nach Ansicht von Anders Nordström, Botschafter für globale Gesundheit im schwedischen Aussenministerium, verfügen wir mit dem Kondom bereits über eine „Magic Bullet“. Mittels Kondomen könnten 80% der Infektionen verhindert werden (AIDS 2018: Leadership for HIV primary prevention: the Global HIV Prevention Coalition).Vor allem in Afrika fehlen Schätzungen zufolge knapp 3 Millionen Kondome jährlich (UNAIDS 2018: A condom crisis at the centre of the HIV prevention crisis). Diese Kondomkrise spiegelte sich auch an der Konferenz, wo nur eine Session zum Thema Kondome angeboten wurde.

    Aktionen im Global Village. Welt-Aids-Konferenz 2018. Foto: MMS


    Ein richtiger Hype hingegen erlebte die bio-medizinische Präventionsmassnahme PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe), deren Erfolgskurs anhand neuester Studien belegt werden konnte. PrEP, ein Medikament vor dem Sex eingenommen, verhindert eine HIV-Infektion und zwar sowohl bei Dauereinnahme, als auch dann, wenn die Einnahme erst kurz vor dem Sexualverkehr erfolgte. Auch wenn die Finanzierungsfrage in den meisten Ländern noch völlig ungeklärt ist, ist dies ohne Zweifel eine wichtige neue Errungenschaft im Kampf gegen Aids.

    Gefordert wurde jedoch nicht nur in bio-medizinische Präventionsmassnahmen zu investieren, sondern wieder vermehrt auf die ganze Bandbreite der Kombinationsprävention zu setzen. Dazu gehören ausser der medikamentösen Behandlung und Kondomen, auch die Beschneidung von Männern, HIV-Tests und Beratung sowie Gesundheitsaufklärung zur Verhaltensänderung oder strukturelle Massnahmen wie die Bekämpfung der Geschlechterungleichheit oder der Armut. So kann die Bereitstellung einer Wohnung oder die Möglichkeit Essen zu kaufen, eine essentiellere Präventionsmassnahme darstellen, als der Zugang zu PrEP. Wir wissen genau was wirkt, aber erst ein klares Verständnis der lokalen HIV-Epidemie ermöglicht den wirksamen und effizienten Einsatz etablierter und neuer Präventionsansätze. Die konkrete Zusammenarbeit mit den Betroffenen, die Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse und des jeweiligen lokalen Kontextes sind entscheidend, wenn wir das letzte Etappenziel 10-10-10 erreichen wollen (AIDS2018: Combination prevention: Getting it right).

    Aids 2018 im Zeichen der Krise

    Präsentation in der Session "Combination prevention: Getting it right". #AIDS2018. Foto: MMS

     

    Fokus: #Menschenrechtsverletzungen und Kriminalisierung – die Antwort auf HIV bleibt politisch

    Menschenrechte weltweit sind in einem neuen Ausmass bedroht! Verantwortlich dafür ist das gegen-wärtige politische Klima, geprägt von einem Wiederaufflammen von Nationalismus und Populismus, ebenso wie Gesetze, die zur Diskriminierung von Minderheiten führen. 68 Länder weltweit haben Gesetze, die Menschen mit HIV diskriminieren. Sie legitimieren, dass Gerichte, Parlamente und Strafver-folgungsbehörden wie die Polizei, die Zwangsmacht des Gesetzes nutzen, um Verhaltensweisen zu überwachen, zu kontrollieren und zu bestrafen, die sie als "moralischen Verfall" betrachteten. Sie fördern Angst und Stigma und verhindern, dass gefährdete Menschengruppen von Präventionsmas-snahmen und HIV-Programmen erreicht werden.

    Global Village: Sex Workers Opera. Foto: MMS


    Die Konferenz verurteilte scharf diese Gesetze, die nicht auf der Grundlage von neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und die auch Jahrzehnte nach Einführung einer effektiven Therapie Menschen mit HIV kriminalisieren. Dabei gelten „Treatment as Prevention“ ebenso wie U=U (UNAIDS 2018: Undetectable= Untransmittable) für alle Infizierten oder gefährdeten Personengruppen als wichtige Errungenschaft. Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass ein im Blut nicht mehr nachweisbares Virus auch keine Infektion verursachen kann, ist eine Art Befreiungsschlag. „U=U sets us free“ said Bruce Richman, executive director of the Prevention Access Campaign at the conference. „It addresses one of the most durable aspects of stigma – that chronic infection signifies chronic infectiousness.“

    Das Gesetze wissenschaftliche Erkenntnisse missachten, war auch eine der Botschaften von Allan Maleche, Anwalt aus Kenya (KELIN, Kenya) und Gewinner des „Elizabeth Taylor Human Rights Award“ an der AIDS2018 (AIDS2018 Open Ceremony). Allan wurde für seinen unermüdlichen Einsatz für die Rechte von marginalisierten Gruppen ausgezeichnet. So kämpfte er in Kenya erfolgreich gegen menschenrechtsverachtende Gesetze, die vor allem HIV-positive Menschen kriminalisierten. Der an der Konferenz publizierte Bericht von UNDP „HIV and the Law“, an dem auch Allan massgeblich mitgearbeitet hat, soll weitere, dringend notwendige Fortschritte bewirken.

    Menschenrechtsorganisationen sind besorgt! #AIDS2018. Foto: MMS


    Nicht nur Gesetze auch Gesundheitseinrichtungen sind mitverantwortlich, dass sich das Virus weiter ausbreiten kann. In einer emphatischen Rede kritisierte David Malebranche, Mediziner und Professor spezialisiert auf HIV an der Morehouse School of Medicine in Atlanta, USA, die institutionelle Diskriminierung, die in vielen Gesundheitseinrichtungen stattfindet: So werden beispielsweise für alle sichtbar nur HIV-positive PatienInnen vom Personal mit Handschuhen untersucht oder HIV-positive PatientInnen müssen in einer separaten Reihe anstehen, um ihre ARV-Medikamente abzuholen. Für viele der PatientInnen sind diese immer und immer wieder erlittenen Diskriminierungen mehr als sie aushalten können und irgendwann hören sie auf, die Einrichtungen aufzusuchen. Nach Ansicht von Malebranche wird diesen Menschenrechtsverletzungen zuwenig Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl sie rund um den Globus stattfinden:

    “If the major drop-offs happen after people are linked to care, why don’t more studies explore what is happening within medical settings? (...) „If you ran a restaurant where only 40% of patrons returned after their first visit, would you commission a study to see what was wrong with your customers, or would you look within at how you’re running the business, at the quality of what you’re offering, the attitudes of your staff?“, fragt Malebranche.

    “Our social and humanitarian advances lag woefully behind our scientific ones. Medical communities are microcosms of larger society. (...) And stigma hardly just affects those already living with HIV and AIDS. We know discrimination inhibits access to prevention and testing services (UNAIDS 2017: Confronting discrimination: overcoming HIV-related stigma and discrimination in health-care settings and beyond). For sex workers. Gay men. Drug users. Transgender individuals. Sexually active teenagers. Globally, these groups are the most vulnerable to acquiring HIV and the most discriminated against in health care settings“, betont Malebranche in seiner Rede abermals (AIDS2018 – Plenary Session: Breaking Barrieres and Building Bridges Between our Response towards Universal Health).

    Aids 2018 im Zeichen der Krise

    Aktionen im Global Village. Welt-Aids-Konferenz 2018. Foto: MMS

     

    Politischer Wille kommt und geht

    Auch die Zivilgesellschaft und die von ihr durchgeführten Menschenrechtsprogramme, inklusive ihrer Advocacyarbeit leiden unter dem zunehmenden repressiven politischen Klima, wie an der AIDS2018 wiederholt thematisiert wurde. Menschenrechtsprogramme sind mit 1% am Gesamtbudget schon seit Jahren chronisch unterfinanziert. Regierungen und globale Geldgeber verweigern Investitionen, die diese Arbeit unterstützen und um die die NGOs schon seit Jahren kämpfen. Alexandra Volgina, Programm-verantwortliche vom Global Network of People Living with HIV (GNP+), Netherlands beklagt die Kriterien nach denen die Geldvergabe stattfindet und das die Advocacy-Arbeit dabei kaum eine Rolle spielt. So ist der Global Fund nicht bereit Kampagnen der NGOs zu finanzieren, obwohl diese Arbeit von grosser Bedeutung ist. Das Geld zur Finanzierung ist eigentlich vorhanden, was fehlt ist der politische Wille. Sie plädiert für eine grundlegende Änderung des Systems der Geldvergabe: „Wohin das Geld geht, entscheiden Politiker - aber Regierungen haben nicht zwingend das Wohl derer im Sinn, die am verwundbarsten sind.“ (AIDS2018: New policies and contexts that negatively impact on funding for the response to HIV)

    Die Menschenrechts- und Advocacy Arbeit der letzten Jahrzehnte ist ein unterschätztes zentrales Element, um Aids zu beenden und sollte als wichtiges öffentliches Gut anerkannt werden!


    Chase the virus not the people!

    Kampagne an der Welt-Aids-Konferenz 2018. Foto: MMS

     

    Referenzen

    Key populations

    Jugendliche

    Prävention

    Menschenrechte

      Externe Seite öffnen