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Swissinfo: Kultur und Kondome: Wie Aids-Prävention funktioniert
Bern, 7. Mai 2009 - Aids-Prävention in Entwicklungsländern ist nur wirksam, wenn kulturelle und traditionelle Werte berücksichtigt werden. An einer Tagung in Bern haben Fachleute von ihren Erfahrungen berichtet.
Nicht Aids, sondern die Schweinegrippe steht derzeit im Fokus der Aufmerksamkeit. Das neue Grippe-Virus hat bisher vor allem Mexiko getroffen, ein Schwellenland. Sollte es dereinst zu einer Grippe-Pandemie kommen, wären die Folgen für Entwicklungsländer besonders gravierend. Zum einen, weil in diesen Ländern die Gesundheitsversorgung nicht gewährleistet ist. Zum andern, weil viele Menschen bereits durch andere Krankheiten geschwächt sind, zum Beispiel Aids.
Während eine Grippe-Pandemie erst eine mögliche Bedrohung darstellt, ist die Aids-Pandemie längst Realität. In der Schweiz stagniert die Zahl der Neuinfektionen, doch in vielen Entwicklungsländern steigt sie weiter an. Laut der UNO sind heute rund 33 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. 67% aller Infizierten leben in Afrika südlich der Sahara.
Aufklärung mit Gesang
Das Scheitern von Präventionsprogrammen in Afrika wird oft auf traditionelle und kulturelle Werte zurückgeführt. In den Augen von Fachleuten greift diese Erklärung aber zu kurz: "Kultur ist nicht primär ein Problem, sondern Teil der Lösung", sagt Helena Zweifel, Geschäftsführerin von Medicus Mundi. Ein Problem sei der "Faktor Kultur" nur dann, wenn er bei Präventionskampagnen nicht berücksichtigt werde.
An einer Tagung unter dem Titel "Kultur und Kondome" in Bern haben sich Fachleute mit Möglichkeiten kultursensibler Prävention beschäftigt. Das Spektrum ist weit: Aids-Aufklärung kann in traditionelle Riten, Tänze, Geschichten oder Lieder integriert werden. In Mali etwa vermitteln Theatergruppen die Botschaft, dass Kondome vor einer Ansteckung schützen.
Heiler integrieren
"Kultursensibel" kann aber auch bedeuten, mit Dorfältesten, Heilerinnen und religiösen Würdenträgern zusammenzuarbeiten. Damit hat das Schweizerische Rote Kreuz in Swaziland gute Erfahrungen gemacht. Und auch in Bangladesch zeigte dieser Ansatz Wirkung.
Eine Umfrage hatte gezeigt, dass viele traditionelle Heiler ihren Patientinnen und Patienten zur Aids-Prävention Kräuter empfahlen. Nach einem dreitägigen Workshop propagierten die meisten den Gebrauch von Kondomen. Die Menschen hätten mehr Vertrauen in traditionelle Heiler und suchten zuerst diese auf, gab Shariful Islam von der Organisation "Partners in Population and Development" zu bedenken. Oft stehe ihnen auch gar keine Alternative zur Verfügung. Die Zusammenarbeit mit Heilern sei deshalb unabdingbar. "Wir können nicht so tun, als ob die Heiler nicht existierten. ( InfoSüd/ swissinfo.ch)
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