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Abschluss der Aids-Konferenz: 25 000 Teilnehmer in Washington

Washington, 28. Juli 2012 - In Washington ist die Internationale Aids-Konferenz zu Ende gegangen. Die Krankheit ist zwar immer noch nicht heilbar, hat aber ihre Tödlichkeit weitgehend verloren. Die Nachfrage nach Ressourcen zu ihrer Bekämpfung wird weitergehen.

So etwas habe es bei keiner anderen Krankheit je gegeben, resümiert der Tropenmediziner und Aids-Spezialist Markus Frei aus Luzern beim Blick durch die Hallen des Washingtoner Konferenzzentrums. Dort laufen sich Wissenschafter und Patienten, Aktivisten und Prominente unterwegs zu den diversen Tagungssälen über den Weg - und dies alles im Scheinwerferlicht der Medien, die das Geschehen mit rund 25 000 Teilnehmern aufmerksam verfolgen. Von Anfang an war Aids nach Freis Beobachtung ein Leiden, bei dem die «community» alle einschloss: die Betroffenen, die Interessenvertreter, die politischen Entscheider - und nicht primär die Mediziner wie bei anderen Krankheiten, deren Grosskongresse in der Regel, so Frei, fast patientenfrei seien.

Fortschritte auf breiter Front

Aids war stets auch eine politische Krankheit, mit Lobbygruppen, die sich den Kampf gegen Ausgrenzung und Stigmatisierung ebenso auf die Fahnen geschrieben hatten wie die Suche nach Heilung und die schnell Verbündete in bestimmten politischen Lagern fanden. Bei beidem - der gesellschaftlichen Akzeptanz und der medizinischen Betreuung - hat man viel erreicht, wie in Washington befriedigt resümiert wurde. Mit modernen Pharmaka hat Aids zumindest seinen Schrecken als tödliche Erkrankung verloren. Neuerdings gibt es sogar ein Medikament, dass der Ansteckung vorbeugen kann.

Eine Risikogruppe, die in Washington als in hohem Masse bedroht dargestellt wurde, sind die Sexarbeiter. Diese haben bei weitem nicht denselben Einfluss wie die ursprünglich am stärksten betroffene Bevölkerungsschicht, die Homosexuellen, die vor allem in den USA über eine eloquente Lobby verfügen. Verschiedene Wissenschafter äusserten die Befürchtung, dass neue Medikamente, die als Prävention einer Ansteckung indiziert sind, den Druck auf Prostituierte beider Geschlechter erhöhen, ohne Kondom zu arbeiten. Hierüber werde auf einschlägigen Foren bereits heftig diskutiert. Offiziell äussern durften sich Sexarbeiter aus dem Ausland am Kongress nicht: Für sie gilt nach wie vor ein Einreiseverbot für die USA, wie es bis vor wenigen Jahren grundsätzlich für HIV-Positive bestand.

Mehr ältere Patienten

Deutlich wurde in Washington auch, dass Aids in den Industrienationen sein Gesicht wandeln wird: Die Krankheit wird grauer. Wenn das laufende Jahrzehnt zu Ende geht, werden mehr als die Hälfte aller Amerikaner mit Aids älter als fünfzig Jahre sein. Das Interesse an diesem Aspekt war in Washington riesig, das Symposium «AIDS and 50+» fand weit über tausend Zuhörer. Dieses Bevölkerungssegment, das dank modernen antiviralen Medikamenten eine praktisch normale Lebenserwartung hat, dürfte in besonderem Masse die Nebenwirkungen der Tabletten erleben. Ein erhöhter Bedarf an künstlichen Hüftgelenken wird einer dieser Effekte sein.

Für die immer älteren Patienten in den Industrieländern wie für die jüngeren Betroffenen in den armen Ländern vor allem Afrikas – wo mehr als 23 Millionen der weltweit 34 Millionen HIV-positiven Menschen leben - wird die Bereitstellung ausreichender finanzieller Mittel essenziell sein. Die Forderungen hierfür zu artikulieren, ist stets eine Hauptaufgabe vieler Organisationen an der Aids-Konferenz. So rief der Schweizer Interessenverbund aidsfocus.ch am Abschlusstag die Schweiz dazu auf, ihren finanziellen Beitrag zur Bekämpfung von Aids rund um die Welt substanziell zu erhöhen. Diese Mittel nützen laut Manuel Battegay von der Universität Basel auch über die Bekämpfung von Aids hinaus: Der Fokus auf die Situation in Afrika und die Verbesserung der dortigen Infrastruktur hilft auch beim Kampf gegen Malaria, die Schlafkrankheit und andere Seuchen. (NZZ, Ronald D. Gerste)

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