aidsfocus.ch Workshop in Uganda: Memory Work schafft Hoffnung und Perspektiven
Lösungsorientierte Erinnerungsarbeit anerkennt jede Person als Expertin des eigenen Lebens. Dadurch gewinnen sie an Selbstvertrauen, Zuversicht und Mut, die eigene Zukunft in neuem Licht zu sehen und sie zu gestalten. Auf Einladung von CO-OPERAID führte Helena Zweifel, Koordinatorin von aidsfocus.ch, in Uganda einen Training-of-Trainers-Workshop zu lösungsorientierter Erinnerungsarbeit durch.
Der Workshop
Der Training-of-Trainers Workshop zu lösungsorientierter Erinnerungsarbeit vom 25. – 30. September 2011 in Masaka, Uganda, war von CO-OPERAID, einem Partner von aidsfocus.ch, organisiert und vom Katholischen Frauenbund, der Aids-Hilfe Schweiz und aidsfocus.ch finanziell unterstützt worden. Er entsprang dem Wunsch von lokalen PartnerInnen, lösungsorientierte Erinnerungsarbeit zu erlernen, um dies dann in ihrer Arbeit mit lokalen Gemeinschaften umsetzen zu können. Ziel des Workshops war, selbst durch den Prozess des Memory-Book-Machens zu gehen, ein eigenes Buch zu gestalten und Methoden, Werkzeuge und die Haltung der lösungsorientierten Erinnerungsarbeit kennenzulernen. Vor allem aber war es ein grosses Anliegen, dass die Teilnehmenden die erworbenen Kenntnisse anschliessend in die Praxis umsetzen.
28 Frauen und Männer und drei Babies aus sechs lokalen Organisationen nahmen am Workshop teil: Programmverantwortliche von NGOs, freiwillige MitarbeiterInnen, wovon einige erstmals an einem Weiterbildungsworkshop teilnahmen, Frauen und Männer, die mit HIV leben und/oder die durch AIDS ihre Eltern, Ehepartner, Geschwister oder Verwandte verloren haben. Diese Heterogenität der TeilnehmerInnen, die Unterschiedlichkeit und Vielfalt an Kenntnissen und Erfahrungen, stellten eine grosse Herausforderung für die Gestaltung des Workshops dar. Gleichzeitig boten sie einen Reichtum an Erfahrungen und Ideen, aus denen wir schöpfen konnten. Allen gemeinsam war, der Wunsch und der Wille, Neues zu lernen und aktiv mitzuwirken.
Der Blick zu den Sternen
Die lösungsorientierte Erinnerungsarbeit verstärkt eine auch in der „klassischen“ Erinnerungsarbeit angelegte Qualität, nämlich die Befähigung, sich dem Leben zu stellen. Der lösungsorientierte Ansatz ist vermehrt zukunfts- und lösungsorientiert. Bildlich ausgedrückt: Der Blick nach den Sternen. Zwei Gefangene schauen durch dieselben Gitterstäbe. Der eine sieht die Sterne, der andere nur den Dreck.
Der lösungsorientierte Ansatz geht davon aus, dass jeder Mensch Stärken und Fähigkeiten hat, auf denen bei der Suche nach Lösungen aufgebaut werden kann. Ziele werden gemeinsam entwickelt, Ressourcen identifiziert und im Prozess ein neues Bewusstsein und Selbstvertrauen entwickelt, um in Richtung des gewünschten Ziels zu gehen. Diese Haltung ist auch für die Arbeit mit Erinnerungen sehr wichtig – denn jede und jeder ist Expertin und Experte des eigenen Lebenslaufs.
ExpertInnen des eigenen Lebens
Ein Schlüsselelement der Memory Books war die Übung mit den Fenstern, die Einblick in die eigene Geschichte geben. Die TeilnehmerInnen zeichneten in ihrem Buch ihr Leben in sechs Bildern. Jedes Bild gibt Einblick in ein einschneidendes Ereignis im Lebenslauf: Der Tod eines geliebten Menschen, die Prognose HIV positiv, der erste Flug nach Europa, oder der Entscheid, „offen positiv“ zu leben.
Die Autorin erzählte ihre Geschichte einem Partner, der aufmerksam zuhörte und allenfalls nachfragte. Der Partner erzählte die gehörte Geschichte wieder in einer stärkenden, ermutigenden Art und Weise, als die Geschichte einer starken Frau, die es trotz allem geschafft hat. Zum Beispiel die Geschichte von T., die nach dem Tod ihres Mannes von dessen Verwandten aus dem gemeinsamen Haus geworfen wurde und eine Weile unten durch musste, aber dank ihrem Überlebenswillen und der Ausbildung als Krankenschwester wieder Arbeit und eine Bleibe fand und sich jetzt erfolgreich für andere benachteiligte Frauen engagiert. Dies ist nicht eine Leidensgeschichte, sondern die Geschichte einer starken Frau, die nicht aufgibt.
Am Schluss des Workshops hatten alle TeilnehmerInnen ein eigenes Memory Book und jede Organisation einen Plan bis zum 30. September 2012 erarbeitet mit Zielen und konkreten Schritten, wie sie das Gelernte im Rahmen ihrer Organisation umsetzen wollen.