„Es hat mir die Angst genommen“. Memory und Life Work in Haiti
Memory Work ist eine wirksamer Ansatz der psychosozialen Unterstützung, der sich stets weiterentwickelt und sich auf neue Situationen anpassen lässt. Vor allem aber unterstützt er HIV-betroffene Menschen darin, sich auf die eigenen Kräfte zu besinnen und neuen Mut zu schöpfen. Dies sind die wichtigsten Erfahrungen eines Workshops zu Memory und Life Work in Haiti.
„Es sind meine Freundinnen, die mich unterstützen“. Dies ist ein wichtiger Moment im Leben von Sabine , den sie in ihrem Memory Book festgehalten hat. Anhand von sechs selbst gemalten Fenstern erzählt sie ihre Geschichte. Es sind zumeist schmerzhafte Erinnerungen, die hochkommen und sie beim Erzählen immer wieder innehalten lassen. Ihr Vater hat sie nie als Tochter anerkannt, erzählt sie, und ihre Mutter war früh gestorben. Auf sich allein gestellt und noch nicht zwanzigjährig wird sie schwer krank. „HIV-positiv“, so die Diagnose. Ihre Welt bricht zusammen. Ihr Freund, der sie infiziert hat, verschwindet aus ihrem Leben. Ihre Tante und ihre Cousinen kümmern sich mehr schlecht als recht um sie. Niemand darf mit ihr essen oder sie berühren. Selbst in ihrer eigenen Familie wird sie zur Aussätzigen. Es sind dann die Frauen, die sie über ihr Engagement in einer Aids-Solidaritätsgruppe kennen lernt, die zu Freundinnen werden und sie auch emotional unterstützen.
Sabine ist eine von 22 Frauen und 3 Männern, die im Rahmen eines Workshops Anfang November 2007 ihre Erinnerungs- und Lebensbücher malen und schreiben. Memory Work ist über die Direktion for Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und das Memory Work Toolkit von aidsfocus.ch und terre des hommes schweiz nach Haiti gekommen. Im November 2006 hat Claudia Kessler vom Schweizerischen Tropeninstitut im Auftrag der DEZA einen Workshop zu Mainstreaming HIV durchgeführt und Memory Work kurz vorgestellt. Mit diesem Ansatz ist sie auf ein grosses Bedürfnis nach Methoden der psychosozialen Unterstützung und eine bisher ungestillte Nachfrage gestossen. Action Aid Internationale Haïti République Dominicaine lädt mich ein Jahr später als Koordinatorin und Co-Autorin des Memory Work Toolkits ein, mit HIV-betroffenen Frauen und Männern einem Workshop zu Memory Work zu gestalten. (2007)
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