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HIV/Aids - Gefährdung des Erfolgs in der Aidsbehandlung

Johannesburg/Zürich, 5. November 2009 – Eine Rücknahme internationaler Finanzierungszusagen im Zusammenhang mit Aids setzt bedeutende Erfolge aufs Spiel, die in den letzten Jahren durch die Reduzierung von aidsbedingten Krankheiten und Todesfällen erreicht werden konnten. Dies geht aus einem neuen Bericht von Médecins Sans Frontières / Ärzte ohne Grenzen (MSF) hervor.

Der Bericht zeigt auf, wie ein verbesserter Zugang zu HIV-Behandlung nicht nur das Leben von Menschen mit Aids gerettet hat, sondern insgesamt die Sterblichkeit in einer Reihe von Ländern mit hoher HIV-Rate in Südafrika in den letzten Jahren gesenkt hat. In Malawi und Südafrika beobachtet MSF signifikante Rückgänge der allgemeinen Sterblichkeitsrate in Gegenden, in denen der Einsatz antiretroviraler Therapie hoch ist. Ein verstärkter Einsatz der Therapie hatte auch einen Einfluss auf das Auftreten anderer Krankheiten: Beispielsweise konnten so Tuberkulose-Fälle in Thyolo, Malawi und Western Cape Province in Südafrika deutlich gesenkt werden.

“Nach fast einem Jahrzehnt Fortschritten in der Ausweitung der Aids-Behandlung haben wir substantielle Verbesserungen sowohl für Patienten als auch für die öffentliche Gesundheit beobachten können. Allerdings bedeuten aktuelle Finanzierungskürzungen, dass Ärzte und Krankenschwestern HIV-Patienten wieder abweisen müssen, ganz so, als wären wir wieder in den 1990ern, als es noch keine Behandlung für Aids-Kranke gab“, sagt Tido von Schoen-Angerer, Leiter der Medikamentenkampagne von MSF.

Die internationale Unterstützung zur Bekämpfung von HIV/AIDS ist ins Stocken geraten, wie sich derzeit in signifikanten Finanzierungsrückgängen zeigt. Der Vorstand des Globalen Fonds - ein wesentlicher Geldgeber der Aids-Programme in armen Ländern - kann deren Nachfrage nicht mehr nachkommen und wird nächste Woche in Addis Abeba abstimmen, ob neue Finanzierungsanträge für 2010 abgelehnt werden. PEPFAR, das Aidsprogramm der USA, senkt die Finanzierung für zwei weitere Jahre.

„Der Globale Fonds kann nicht das Defizit decken, das durch seine Geldgeber ausgelöst wurde“ erklärt Tido von Schoen-Angerer. „Die vorgeschlagene Streichung der Finanzierungsrunde 2010 und weitere verlangsamende Massnahmen machen die Erfolge der vergangenen Jahre zunichte und verhindern, dass weitere Leben gerettet werden.“

2005 hat sich die internationale Politik darauf geeinigt, eine weltweite Behandlung von Aids bis 2010 zu unterstützen – ein Versprechen, das viele afrikanische Regierungen angespornt hat, ehrgeizige Behandlungsprogramme zu starten.

„Was ist mit dem Versprechen, das den Aids-Kranken gemacht wurde? Wir gaben ihnen Hoffnung und Leben. Wir müssen für sie da sein, wir wussten von Anfang an alle, dass diese Behandlung lebenslang ist“ erklärt Olesi Ellemani Pasulani, ein lokaler Mitarbeiter von MSF im Thyolo District Hospital in Malawi. „Wenn man die Rechnung zur Behandlung von Aids an die armen Länder weitergibt, so ist das ein riesiger Verrat.

Werden die Finanzierungen zum jetzigen Zeitpunkt reduziert, so werden Menschen, die dringend eine Behandlung brauchen, wesentlich früher sterben und Therapien werden unterbrochen. In Uganda mussten Behandlungen neuer HIV-Patienten aufgrund von Einschnitten bereits eingestellt werden. Weitere Länder nehmen ihre früher geplanten Zielsetzungen bereits zurück. In Free State in Südafrika haben Finanzierungsprobleme in der Vergangenheit zu Therapieunterbrechungen geführt, neue Patienten wurden nicht mehr behandelt. Dies hatte etwa 3’000 Todesfälle zur Folge.

Der Bericht zeigt auf, dass vor allem in Ländern mit hoher HIV-Prävalenzrate die Behandlung von AIDS positive Auswirkungen auf andere wichtige Zielsetzungen im Gesundheitsbereich, wie vor allem in der Mutter-Kind-Gesundheit, hat.

“Mehr Engagement in anderen Gesundheitsbereichen ist absolut notwendig, aber dies sollte zusätzlich und nicht anstelle von kontinuierlichem und verstärktem Engagement im Kampf gegen Aids passieren” fügt Schön-Angerer hinzu.

Derzeit erhalten über vier Millionen HIV/Aids-Patienten in Entwicklungsländern eine antiretrovirale Therapie. Etwa sechs Millionen Menschen, die die lebensrettenden Medikamente benötigen, warten darauf. MSF betreibt HIV/Aids-Programme in etwa 30 Ländern und versorgt über 140’000 HIV-positive Erwachsene und Kinder mit antiretroviraler Therapie.

Bericht: Punishing success? Early Signs of a Retreat from Commitment to HIV/AIDS Care and Treatment. November 2009 (Englisch)

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Kontakt

Médecins Sans Frontières
78, rue de Lausanne
Case postale 116
1211 Genève 21

Tél: +41 (0)22 849 84 84
Fax: +41 (0)22 849 84 88

 www.msf.ch/News.29.0.htm

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