Gemeinsam gegen Aids und Beschneidung
Die kenianische Pfarrei Mulot, die im südwestlichen Distrikt Narok wirkt, ist seit einigen Jahren Partnerorganisation des Fastenopfers. Sie spielt eine Pionierrolle bei der Aids- Prävention und der Durchführung alternativer Übergangsrituale ohne Mädchenbeschneidung.
Aufklärungsarbeit zu HIV/Aids ist in Kenia ausgesprochen wichtig: Das Land hat eine der höchsten Infektions-raten Afrikas. Traditionelle Heiratsregeln, Frauenbeschneidung, Migration und Sextourismus haben zu einer massiven Ausbreitung des Virus beigetragen. Täglich sterben etwa 700 Kenianerinnen und Kenianern an Aids.
Mulot weist die höchste HIV/Aids-Rate im Distrikt aus. Gründe hierfür sind vor allem Prostitution in Marktnähe und die Migration. Die wenigen Spitäler in der Region können nur sehr beschränkt zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitsverhaltens beitragen, weil sie für die arme Bevölkerung oft zu teuer sind und sehr weit entfernt liegen. Deshalb sind Eigeninitiativen der Bevölkerung zum Aufbau einer lokal organisierten Gesundheitsvorsorge und -beratung äusserst wichtig. Das Team der Pfarrei Mulot begleitet die Bevölkerung dabei, die Gesundheitsvorsorge selbst zu organisieren und den Zugang zu gesundheitsrelevantem Wissen zu verbessern. Das vom Fastenopfer mitfinanzierte Projekt berücksichtigt einerseits traditionell-afrikanische Vorstellungen zur Gesundheitsvorsorge, andererseits die westlichen und bezieht die unterschiedlichen Interessen und kulturellen Hintergründe von Gesundheitsberater/innen und traditionellen Heiler/innen ein.
Ein besonderes Augenmerk im Zusammenhang mit Gesundheitsvorsorge und Aidsprävention liegt auf der Bekämpfung der Beschneidung. Obschon in Kenia seit 1989 verboten, ist die Frauenbeschneidung noch immer weit verbreitet. Viele Bevölkerungsgruppen erachten sie als wesentlichen Bestandteil der Riten, die den Übergang von der Kindheit in die Welt der Erwachsenen markieren. Die Mädchen werden kurz vor oder während der Pubertät von traditionellen Hebammen beschnitten. Der schmerzvolle Eingriff erfolgt ohne Betäubung und oft mit nicht sterilisierten Instrumenten. Dies führt in vielen Fällen zu Infektionen (insbesondere auch HIV) und tödlichen Blutungen. Die meisten Mädchen kehren danach nicht mehr in die Schulen zurück, sondern werden von ihren Eltern auf die Heirat vorbereitet.
Mulot hat als erste Pfarrei in Kenia begonnen, Übergangsrituale ohne Mädchenbeschneidung durchzuführen. „Dank der vom Fastenopfer unterstützten Initiative von Mulot führen die Kirchen der Region verschiedene Aktivitäten zur Abschaffung der Beschneidung und zur HIV/AIDS-Vorsorge gemeinsam durch“ erläutert Claudia Fuhrer, Programmverantwortliche beim Fastenopfer für Kenia und ergänzt; „Die Übergangsrituale wurden inzwischen von allen Kirchen des Distrikts übernommen.“ Im Jahr 2005 haben 45 Mädchen an einem ökumenischen Übergangsritual teilgenommen. Die Zeremonien beinhalten traditionell notwendige rituelle Handlungen ohne operativen Eingriff und finden Jahr für Jahr grösseren Zulauf. So konnte das Fastenopfer Projekt von Mulot auf die Nachbarspfarreien Lemek und Ololunga ausgedehnt werden. Der Erfahrungsaustausch mit anderen Pfarreien, die ähnliche Projekte durchführen, verbreitet das Bewusstsein zu den Gefahren der Frauenbeschneidung zu HIV/Aids auf überregionaler Ebene.