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Die schleichende Katastrophe

Medienmitteilung des Fastenopfers: Der Welt-Aids-Tag erinnert an Millionen von Menschen, die nicht nur von Krankheit, sondern oft auch von Diskriminierung betroffen sind. In Südafrika hat die HIV-Infektionsrate in manchen Gegenden bereits die 30 Prozent überschritten. NGOs, auch kirchliche, bieten in einem schwierigen Umfeld Hilfe an.

„Der Arzt teilte mir mit, dass ich HIV infiziert sei und dass es dafür keine Heilung gebe; ich war zu Tode erschrocken. Ich dachte an meine Kinder. … Er riet mir, einfach nach Hause zu gehen und auf den Tod zu warten“, berichtet S’Bongile Shabane, eine junge Frau aus der Provinz KwaZulu. Nachdem sie den ersten Schock überstanden hatte, engagierte sie sich in einer Selbsthilfegruppe. Darauf mieden sie nicht nur die Menschen im Dorf, sondern auch die Mitglieder ihrer Kirchgemeinde: „Ich war in meiner Kirche nicht mehr willkommen, da ich HIV positiv war und auch offen darüber sprach, und meine Mutter sowie meine Kinder litten wegen mir. Mein Sohn wurde von den Kindern in der Schule ausgestossen.“

In Südafrika steigt die Rate der Infizierten dramatisch. Dies stehe in direktem Zusammenhang mit der wachsenden Armut, erklärt Walter Ulmi, der als Projekt-Verantwortlicher des Fastenopfers häufig dieses Land bereist. „Die Menschen wollen der katastrophalen Arbeitslosigkeit und Frustration entkommen und stürzen sich ins Vergnügen. Viele wissen sehr wenig über Aids.“ Dazu kommen die Traditionen: Männer bestimmen nicht selten auch mit Gewalt über ihre Familien. Ausserdem verbringen die Wanderarbeiter nur wenig Zeit pro Jahr zu Hause und haben anderswo noch Partnerinnen. Und: Über Sexualität wird kaum gesprochen, HIV-positive Menschen werden geächtet. „Es ist noch nicht lange her, dass eine Frau, die sich outete, gesteinigt wurde“, berichtet Ulmi.

Mittlerweile leben viele Grosseltern mit einer Gruppe von Enkelkindern zusammen, da die Eltern gestorben sind. Felder liegen brach, es fehlt neben Nahrung an Einkommen und Mitteln für eine medizinische Versorgung. „Einer wachsenden Anzahl von Haushalten stehen mittlerweile Kinder vor. Diese können keine Schule besuchen, weil sie ihre Geschwister versorgen müssen“, berichtet Ulmi. Dies sei ein völlig neues Phänomen. Die Gesellschaft Südafrikas „implodiere“, da ganze Genera-tionen fehlten.

Die medizinische Betreuung in Südafrika ist zweigeteilt: Neben modernsten Spitälern herrscht das blanke Elend. Viele Neugeborene wer-den bereits bei der Geburt mit dem HI-Virus angesteckt, weil es an Hygiene und einschlägigen Medikamenten mangelt. „Den Spitälern fehlt es allgemein an Mittel; deshalb schicken sie die Aids-Kranken in die Dörfer zurück. Damit diese angemessen betreut werden können, werden Menschen in der Grundpflege ausgebildet. Hier engagieren sich die Kirchen. Sie helfen bei der Betreuung der Kranken, Kinder und Alten.“

Und sie versuchen eine weitere Tradition aufzubrechen: Die übliche prunkvollen Beerdigungen führen bei der hohen Anzahl der Toten zur lebenslangen Verschuldung ganzer Familien. Deshalb setzten sich die Kirchen jetzt für einfachere Formen ein.

In letzter Zeit engagieren sich die Kirchen auch in der Aufklärung. Betroffene Menschen treten in Theaterstücken und mit Musik auf und berichten über die Krankheit und ihre Situation. Das ist eine wichtiges Medium und der dortigen Kultur angepasst.“ Das Fastenopfer unterstützt deshalb unter anderem solche Projekte. Plakatkampagnen zum Beispiel wie in der Schweiz helfen in dieser Region nicht gross weiter.

S’Bongile gründete 1997 mit anderen Betroffenen die Organisation „Siyaphile“, die das einzige Informationsbüro in Pietermaritzburg betreibt. Die Organisation verkaufte zur Finanzierung auch lebende Hüh-ner. Eines Morgens waren sie alle stranguliert. Auf einem Zettel stand, die Mitglieder der Organisation sollten weggehen, da sie Aids einschleppten. „Diese Drohungen spornten uns an, noch mehr zu intervenieren, da es klar wurde, dass Unwissenheit unsere Leute umbringt“, berichtet die junge Frau. Sie möchte ihr Leben als Zeichen dafür verstanden wissen „dass man auch mit HIV und Aids etwas aus seinem Leben machen kann.“ Sogar in einem Land wie Südafrika.

Unsere Themen

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Kontakt

Romana Büchel
Fastenopfer
Katholisches Hilfswerk Schweiz
Alpenquai 4
CH - 6002 Luzern
Tel.: +41 41 227 59 59

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