Male Sex Work (MSW)
Zielgruppenspezifische Prävention ist ein wichtiger Pfeiler der nationalen HIV/Aids-Strategie. Die Aids-Hilfe Schweiz führt verschiedene Projekte für einzelne Zielgruppen im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) durch. Dazu gehört das nationale Projekt "Male Sex Work”. Es richtet sich an männliche Sexarbeiter und deren soziales Umfeld (Kunden, Partner, Partnerinnen). Das Projekt MSW ist in den Städten Basel, Genf, Luzern und Zürich aktiv. Die Aids-Hilfe Schweiz arbeitet dabei mit lokalen Partnerorganisationen zusammen.
In all diesen Städten arbeiten Streetworker direkt in der Szene, verteilen Kondome und Gleitmittel und bieten niederschwellige Beratungen an. In Zürich existiert zudem seit April 97 ein spezifischer Treffpunkt/eine Beratungsstelle für männliche Sexarbeiter. Männliche Sexarbeit ist nach wie vor ein grosses Tabu in unserer Gesellschaft. Die Existenz der männlichen Prostitution ist aber eine Realität und keineswegs ein lokales oder schweizerisches Phänomen. Sämtliche Grossstädte in Europa haben eine mehr oder weniger sichtbare Szene. In der Schweiz arbeiten zwischen 1'000 bis 2'500 Männer als Sexarbeiter, wobei die Fluktuation sehr gross ist und viele nur über eine relativ kurze Zeit anschaffen. Das Projekt MSW anerkennt, dass männliche Sexarbeit eine Realität ist und versucht, die HIV/Aids-Präventionsbotschaften pragmatisch und effizient umzusetzen. Dazu gehört der ausdrückliche Verzicht auf eine moralische oder ethische Bewertung.
Ausgangslage
Die Nachfrage von sexuellen Dienstleistungen durch junge Männer, deren Dienste hauptsächlich von männlichen Kunden nachgefragt werden, ist gross. Trotz Legalität der gleichgeschlechtlichen Prostitution sind Männer, die sich prostituieren, einer besonders starken Ablehnung seitens der Gesellschaft ausgesetzt. Dies lässt sich auch daran erkennen, dass männliche Sexarbeiter lange nicht als Zielgruppe sozialer Arbeit berücksichtigt wurden. Erst mit dem Auftreten von HIV und AIDS wurde die Arbeit mit männlichen Sexarbeitern als wichtiger Bestandteil gesundheitsfördernder Massnahmen entdeckt und finanziell gefördert. Erste Kontakte mit der Zielgruppe zeigen, dass die Lebenssituation vieler (aber nicht aller) männlicher Sexarbeiter durch soziale, finanzielle, psychische und gesundheitliche Problemlagen gekennzeichnet ist. Allerdings ist die Zielgruppe der männlichen Sexarbeiter sehr heterogen. Die Szene weist ein grosses Alterspektrum, unterschiedliche Einstellungen zur Sexarbeit (Dauer, Motivation usw.), unterschiedliche sexuelle Identitäten sowie unterschiedliche kulturelle Herkunft auf. Es gibt also keinen "typischen" Mann auf dem Strich!
Zielsetzung
Die Förderung des präventiven Verhaltens in Bezug auf HIV/Aids sowie andere sexuell übertragbare Krankheiten sind die zentralen Projektziele unserer Arbeit. Die Prävention basiert auf zwei Ansätzen:
• Verhaltensprävention (individuelle Ebene)
Informationen zu Safer Sex und Safer Use, Verteilung von Kondomen und Gleitmittel.
• Verhältnisprävention (gesellschaftliche Ebene)
Die Verhältnisprävention hat die Aufgabe, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass präventives Verhalten auch wirklich umgesetzt werden kann.
Beide Ansätze haben einen hohen Stellenwert im Projekt MSW. Deshalb sind die vom Projekt initiierten Angebote darauf ausgerichtet, die Selbst- und Berufsidentität der Sexarbeiter zu stärken, ihre Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit zu erweitern und den Wissensstand zu HIV/Aids, sexuell übertragbaren Krankheiten und Safer Sex zu verbessern. Die Förderung des Selbstwertgefühls, des Selbstbewusstseins und der Selbstachtung von männlichen Sexarbeitern ist dabei eine wichtige Voraussetzung für eine wirkungsvolle Gesundheitsförderung.