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Künftige Schweizer Generationen ohne Aids sind keine Utopie mehr

Zürich, 2. August 2012 - In Washington fand vom 22. bis 27. Juli die 19. Internationale Aids-Konferenz unter dem Motto „Turning the tide together“statt. Die Vertreter der Aids-Hilfe Schweiz konnten mit Experten aus der ganzen Welt neueste Erkenntnisse zur Bekämpfung von HIV diskutieren. Mit einem gemeinsamen politischen Willen und Engagement aller Akteure ist eine Welt ohne HIV – in der Schweiz und auf der ganzen Welt – keine Utopie mehr.

Die Delegierten der Aids-Hilfe Schweiz an der Konferenz hörten es mehrmals: Wir stehen an einem Wendepunkt in der Bekämpfung der globalen HIV/Aids-Epidemie. Wir haben heute ein breites Spektrum an Präventionsinstrumenten. Neben herkömmlichen und wirksamen Ansätzen wie Präservativen, Test- und Beratungsangeboten, Post-Expositions-Prophylaxe (PEP), Spritzentausch, Methadonprogrammen, oder der medikamentösen Verhinderung einer Mutter-Kind-Übertragung stehen uns neue Ansätze zur Verfügung: Die präventive Wirkung der frühzeitigen HIV-Therapie und die neu in den USA zugelassene Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP). Werden diese Ansätze miteinander kombiniert, ist eine künftige Generation ohne Aids keine Utopie mehr.

Diskriminierungen von HIV-positiven Menschen verhindern Erfolg

Doch die Wende kommt nicht von alleine. In viel zu vielen Ländern – auch in der Schweiz – werden immer noch Menschen aus den verschiedenen stark von HIV betroffenen Gruppen diskriminiert, stigmatisiert und ausgegrenzt: HIV-positive Menschen, Männer, die Sex mit Männern haben, SexarbeiterInnen, Transsexuelle, Drogen Konsumierende, MigrantInnen und andere Gruppen. Die globale Gemeinschaft kann sich heute Diskriminierungen nicht mehr leisten: Sie verhindern, dass unsere Präventionsbemühungen umgesetzt werden und kosten Millionen von Menschen täglich das Leben.

Neu-Infektionen – wo stehen wir in der Schweiz?

Die Schweiz hat im europäischen Vergleich eine relativ hohe Rate von HIV-Infizierten. Das hat historische Gründe. Aufgrund guter Präventionsaktivitäten (unter anderem im Drogenbereich, in dem die schweizerische Politik der vier Säulen als beispielhaft gilt) gehen die Zahlen von Neuinfektionen seit Jahren zurück. Dies ist seit 2009 auch bei Männern, die Sex mit Männern haben der Fall – was auch international sehr anerkannt wird. Dennoch verzeichnen wir noch immer rund 600 Neudiagnosen pro Jahr. Zwischen 1/4 und 1/3 der Fälle werden erst in einem (zu) späten Stadium diagnostiziert. Das zeigt, dass sich viele der Risiken nicht bewusst sind, die sie eingehen, und dass Aufklärung und Prävention auch hierzulande immer noch sehr wichtig sind.

Prä-Expositions-Prophylaxe – wo stehen wir in der Schweiz?

Die Prä-Expositions-Prophylaxe ist in der Schweiz noch nicht zugelassen, wird also noch nicht von den Krankenkassen bezahlt. Aber auch dieses Instrument kann in der Schweiz für bestimmte Zielgruppen das Mittel der Wahl sein. Wichtig scheint in diesem Zusammenhang, dass vor einer Verschreibung eine gute Abklärung der individuellen Präventionsmöglichkeiten sowie eine umfassende Aufklärung über die mit der Prophylaxe verbundenen Risiken stattfinden.

Eine künftige Schweiz ohne HIV – ein langfristiges Ziel der Aids-Hilfe Schweiz

Die Konferenz wird auch die Diskussionen in der Schweiz nachhaltig beeinflussen. Sollen künftige Schweizer Generationen frei von HIV und Aids möglich sein, müssen mindestens die folgenden Punkte erreicht werden, für die sich die Aids-Hilfe Schweiz einsetzt:

1. Frühere Tests:
Die in der Schweiz zur Verfügung stehenden HIV-Teststrategien müssen konsequenter umgesetzt werden, damit wir früher als bisher Menschen mit HIV diagnostizieren und ihnen dadurch den Zugang zur medizinischen Betreuung und anderen Unterstützungsangeboten ermöglichen.

2. Medizin und Beratung/Begleitung koordinieren und kombinieren:
Die neuen Präventionsstrategien wie Therapie als Prävention (treatment as prevention) und PrEP bieten nur solange eine gute Schutzwirkung, wie die Therapietreue eingehalten wird. Das heisst, potenzielle NutzniesserInnen der neuen Präventionsansätze müssen bei Bedarf gut begleitet und ihre Motivation gestärkt werden. Der Schlüssel zum Erfolg ist die richtige Kombination und die richtige Koordination neuer medizinischer Massnahmen und der Beratung und Begleitung der Zielgruppen.

3. Abbau von Diskriminierung:
Eine Schlüsselforderung der Konferenz liegt im Abbau der Diskriminierung der verschiedenen Gruppen der Prävention. Diskriminierungen können dazu führen, dass Menschen sich nicht auf HIV testen lassen, der HIV-Behandlung fernbleiben und sich nicht wirksam vor HIV schützen können. Damit verhindern Diskriminierungen, dass wir unsere Ziele erreichen. Auch in der Schweiz werden Menschen mit HIV täglich mit Diskriminierungen konfrontiert. Es muss ernst genommen werden, dass der Abbau von Diskriminierung ein wichtiges Element der Prävention ist und finanziert werden muss.

Leistungen der Aids-Hilfe Schweiz:

• Die Checkpoints Zürich, Genf und Lausanne und weitere in Gründung befindliche Checkpoints setzen sich dafür ein, dass Männer die Sex mit Männern haben, sich nach Risikosituationen früh testen lassen: Das ist Gegenstand des aktuellen Projekts „Break The Chain“.

• Checkpoints und die Zielgruppen aufsuchende PräventionsberaterInnen und MediatorInnen für Schwule, MigrantInnen und SexarbeiterInnen beraten über Test und Therapie.

• Für MigrantInnen aus afrikanischen Ländern arbeitet die Aids-Hilfe Schweiz in ihrem nationalen Netzwerk „Afrimedia“ daran, dass es in „Migrant friendly Hospitals“ und anderen Gesundheitszentren für MigrantInnen angepasste freiwillige Test-Angebote gibt. Ausserdem engagiert sich „Afrimedia“ gemeinsam mit Migrationsbehörden, Behandlungseinrichtungen und Vereinigungen von afrikanischen MigrantInnen gegen die Stigmatisierung und Diskriminierung von HIV-positiven Menschen aus und innerhalb dieser Zielgruppe.

• Die Aids-Hilfe Schweiz setzt bereits seit Jahren auf eine Antidiskrimierungsstrategie und wird diese aufgrund der Washington-Erkenntnisse weiter ausbauen. Die Aids-Hilfe Schweiz verzeichnet als „Nationale Meldestelle für Diskriminierungen“ pro Jahr rund 80 Fälle von Diskriminierungen von Menschen mit HIV und rechnet mit einer grossen Dunkelziffer. Die gemeldeten Diskriminierungsfälle haben sich in den letzten 4 Jahren verdoppelt. Aktuelle Medienberichte und Statements lassen befürchten, dass Diskriminierungen von Migrant/innen aus afrikanischen Staaten zunehmen werden, was gerade für diese Zielgruppe eine HIV- Präventionsarbeit äusserst erschweren würde.

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Harry Witzthum
Aids-Hilfe Schweiz
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Postadresse:
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Fax: +41 (0)44 447 11 12

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