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Alltag mit HIV in Namibia

Im aktuellen Rundbrief berichtet Annelis Schmid, wie sie in ihrem Einsatz mit Interteam in Namibia in der Arbeit mit gehörlosen Kindern immer wieder mit dem HI-Virus und seinen Auswirkungen konfrontiert wird. „Sei es, dass eine Kollegin vom AIDS Tod eines nahen Verwandten berichtet hat. Auch habe ich von meinen Kolleginnen gelernt, bei der Verarztung von offenen, blutenden Wunden immer vorher Handschuhe anzuziehen. Von einigen Kindern, die von ClaSH betreut werden, wissen wir, dass sie positiv sind. Die Immunschwäche kann dazu führen, dass Mittelohrentzündungen nicht mehr heilen und daraus chronische Hörstörungen resultieren.

Die Kinder, die den ClaSH-Kindergarten besuchen, werden zwar nicht getestet. Wir wissen jedoch, dass zwei, der neun Kinder, mit dem Virus infiziert sind. Sie bekommen täglich ihre Anti Retro Viral Medikamente (ARV). Die ARV müssen immer um die gleiche Zeit eingenommen werden und weil die Kleinen um diese Zeit nicht mehr zu Hause sind, haben sich die Betreuerinnen bereit erklärt, diese Aufgabe zu übernehmen.

Die HIV/AIDS Epidemie gehört in Namibia zum Alltag. Die Menschen sind am Lernen damit umzugehen. Von vielen wird sie jedoch nach wie vor verdrängt.“

Alltag mit HIV

„Bei einem unserer Hausbesuche empfängt uns eine Mutter mit der Botschaft: „Ich und mein Kind, wir sind beide krank“. „Aber ihr seid doch gar nicht krank – ihr habt zwar beide das HI-Virus, mit den Medikamenten und mit angepassten Verhaltensweisen bezüglich Nahrung, Hygiene und sexuellem Verhalten habt ihr eine gute Lebensqualität“; gab ich ihr einigermassen gelassen zur Antwort. Die Mutter schien erleichtert.

Auch meine gehörlose Kollegin Rakkel steht offen zu ihrem positiven Status. Seit 15 Jahren lebt sie mit dieser Tatsache. Alle drei Monate geht sie zum CD4 count ins Central Hospital. Dieser Test misst die T-Zellen Werte in den weissen Blutkörperchen. Ein gesunder Mensch hat Werte zwischen 500 – 1600. Wenn die Werte eines infizierten Menschen unter 200 sinken, ist das Immunsystem so stark geschwächt, dass er nur noch sehr geringe oder gar keine Abwehkräfte mehr besitzt. Die Gefahr dass die Krankheit des Immunsystems AIDS schliesslich ausbricht und eine an und für sich einfache Infektion wie z.B. Lungenentzündung, zum Tod führt. Rakkel ist sehr stolz darauf, dass ihre Werte immer bedeutend höher liegen. Sie muss daher auch kein ARV einnehmen. Ihre Behandlung liegt in einem gesunden Lebenswandel, ausgeglichener Ernährung mit viel Früchten und Gemüse (leider in Namibia unverhältnismässig teuer), kein Alkohol und andere Drogen sowie genug Schlaf.

Rakkel hat schon verschiedene Seminare zum Thema besucht. Ihr guter Informationsstand und ihr grosses Verantwortungsbewusstein geben ihr ein gesundes Selbstvertrauen. Durch ihren offenen und selbstverständlichen Umgang mit ihrem Virus hat sie eine wichtige Vorbildfunktion in der Gehörlosengemeinschaft. Die vielen Sensibilisierungs -und Informationskampagnien haben zum Ziel die Ansteckungsrate zu senken. Respektvoller, vertrauensvoller, sorgfältiger Umgang in jeder Partnerschaft, sollen gefördert werden um die Epidemie einzudämmen. Meine Beobachtungen deuten darauf hin, dass viele Menschen nach wie vor Schwierigkeiten haben Beziehungen mit dem Partner, den Kindern, mit Familie und Freunden offen und kommunikativ zu leben. Erfahrungsgemäss haben hörbehinderte Menschen einen reduzierten Zugang und ein geringeres Verständnis zu geschriebenen Informationen. Deshalb haben Identifikationsfiguren wie Rakkel eine wichtige Rolle in der Gesellschaft. Ich bin überzeugt, auch in Namibia haben Verhaltensänderungen am meisten Chancen durch soziales Lernen.“ (Rundbrief Nr. 7, Mai 2009)

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Tony Jungo
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