Damit Gleichaltrige sich besser unterstützen können
Jugendliche, die selbst Opfer von Gewalt sind oder den Verlust von Angehörigen durch HIV/ Aids verarbeiten müssen, entwickeln auf diesem Weg der Bewältigung traumatischer Erfahrungen ein besonderes Einfühlungsvermögen für Gleichaltrige, denen Ähnliches widerfährt. Ihre Wahrnehmung für das oft Unaussprechbare ist geschärft und meist sind sie es dann, die als erste auf Missbrauchsfälle aufmerksam werden, Initiativen ergreifen und bei lokalen Organisationen Unterstützung suchen. Das sind Fähigkeiten, die oft unerkannt und ungenutzt bleiben.
Häufig ist dies auch in Organisationen der Fall, die durchaus erkannt haben, wie wichtig der Einbezug Jugendlicher ist, um wirksame Projekte gegen Armut und Ausgrenzung, gegen Gewalt oder HIV/Aids durchzuführen. Meist bleibt es aber bei einer Krisenintervention, einer punktuellen Hilfe oder einem Kurztraining in Trauma-Bewältigung, Einkommensförderung oder HIV/Aids-Prävention. Die Jugendlichen erfahren jedoch in der Umsetzung dessen, was sie gelernt haben, nicht die nötige Unterstützung und Stärkung ihres Selbstvertrauens. Im Alltag türmen sich dann Probleme auf und ersticken nicht selten die kleinen Erfolge, mit denen Jugendliche bereits wirksam andere Gleichaltrige unterstützen.
Stärken stärken
Hier setzt das neue Programm von terre des hommes schweiz mit lösungsorientierten Methoden an. Es konzentriert sich auf das, was Jugendliche tun können und bereits tun, wenn sie sich in ihrer Gemeinde um Waisenkinder kümmern, mit Gleichaltrigen über HIV/Aids-Prävention sprechen oder mit den Schulen in ihrer Gemeinde in Südafrika eine Kundgebung von Kindern für mehr Respekt organisieren.
Die Ausbildung
Alle sechs Monate werden 30 junge Männer und Frauen an einem Kursmodul teilnehmen, das terre des hommes schweiz in Kooperation mit Terre des Hommes Deutschland mit Fachleuten organisiert. Es findet jeweils in einem der Länder statt, aus dem die TeilnehmerInnen stammen. Dort eignen sie sich Methoden der Arbeit mit Jugendlichen an und lernen, ihre eigenen Erfahrungen mit anderen zusammen zu reflektieren. Die Jugendlichen und MitarbeiterInnen von Partnerorganisationen in Tansania, Moçambique, Südafrika und Zimbabwe werden während zwei Jahren austauschen, was sie in der Umsetzung ihrer Projekte lernen, wie sie mit Schwierigkeiten umgehen, um andere Jugendliche in ihren Gemeinden besser unterstützen zu können. Sie lernen, wie sie sich als Jugendliche organisieren, ihre Anliegen gegenüber Erwachsenen besser einbringen und ihre Ideen eigenständig verwirklichen können. Nach dieser Ausbildung können Jugendliche Verantwortung übernehmen. Bisher trauen sie sich das oft nicht zu, da es ihnen auch viele Erwachsene kaum zugestehen. Auch die Partnerorganisationen in Afrika sind von solchen traditionellen Bildern geprägt, was Jugendliche dürfen und wo Erwachsene für sie entscheiden.
Im Dezember 2007 haben Fachleute aus Afrika und Europa sowie sechs Jugendliche aus Südafrika, Tansania und Zimbabwe an einem Workshop die Inhalte der Ausbildung erarbeitet und die Planung des zweijährigen Pilotprogramms festgelegt.
April 2008