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"Bei allem Unglück habe ich so viel Glück"

Aids ist in Nepal ein Tabu. Doch das kümmert den Aidskranken Gopal Bhandari wenig. In Dörfern und Schulen berichtet der 38-Jährige über sein Leben – und trägt dazu bei, Vorurteile abzubauen.

Vor zwei Jahren ist meine Frau gestorben – wegen mir. Weil ich sie angesteckt habe. Ich habe Aids. Da ich weiss, dass es vielen ähnlich geht wie mir, erzähle ich meine Geschichte. Denn die meisten trauen sich nicht, darüber zu reden.

In meinem Dorf in Nepal sind die Menschen arm. Die Ernten reichen nicht aus, um davon zu leben. Deshalb gehen viele Männer in die Stadt oder ins Ausland. Auch ich habe mich 17 Jahre lang in Indien als Lastenträger und Fabrikarbeiter verdingt. In der Fremde fühlt man sich oft einsam und hat wenig, worüber man sich freuen kann. Wenn das Heimweh zu gross war, ging ich zu einer anderen Frau. So muss ich mich mit Aids infiziert haben. Als ich zur Erntezeit jeweils nach Hause kam, habe ich wohl meine Frau angesteckt.
Doch davon ahnte ich nichts. Wenn ich gewusst hätte, dass ich HIV-positiv bin, hätte ich meine Frau schützen können. So aber wusste niemand, weshalb sie krank wurde und dann starb. Kurz darauf erkrankte auch ich.

Angst vor dem Sterben
Ein Freiwilliger des Roten Kreuzes empfahl mir, einen Aids-Test zu machen. Weil es in unserem Bezirk Pyuthan kein modernes Spital gibt, musste ich nach Katmandu reisen. Dort wurde klar, dass ich Aids habe. Das war ein Schock. Ich hatte panische Angst vor der Krankheit und vor dem Sterben. Doch dann erfuhr ich, dass es Medikamente gibt, mit denen man relativ normal weiterleben kann. Heute geht es mir erstaunlich gut. Alle zwei Monate muss ich zur Untersuchung in die Stadt; das Rote Kreuz bezahlt mir die Reisekosten und hat mir geholfen, mit anderen Aidskranken eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Wir wollen allen Aidskranken zu einem würdigen Leben verhelfen. Und alle, die nicht Aids haben, sollen erfahren, wie sie sich davor schützen können.

Ausbreitung stoppen
Das SRK engagiert sich seit vielen Jahren im Himalaja-Staat Nepal dafür, die Gesundheit in ländlichen Gebieten zu verbessern. Ein besonderes Anliegen ist die Information über Aids, denn die Krankheit breitet sich rasant aus. Das Rote Kreuz instruiert Jugendliche, damit sie Gleichaltrigen Wissen über HIV/Aids weitergeben. Ausserdem unterstützt das SRK Selbsthilfegruppen von Direktbetroffenen, die wie Gopal Bhandari über ihre Erfahrungen berichten.

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Gabriele Hansch
Schweizerisches Rotes Kreuz
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Fax: ++41 (0)31 387 73 73

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