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Aidsprävention in Westafrika auf dem Prüfstand

AIDS ist in Afrika eine Krankheit die von den Weissen erfunden ist, um damit Profit und Macht zu erlangen. Diese weit verbreitete Meinung ist mit ein Grund, weshalb die aktuelle Aidsprävention unter anderem in Mali in Frage gestellt wird. Eine Studie von IAMANEH Schweiz deckt sozio-ethnologische Aspekte auf, welche für eine erfolgreiche Aidsprävention wegweisend sein dürften.

Die Einführung von neuen Therapieformen in Mali, zum Beispiel die kostenlose Abgabe von antiretroviralen Medikamenten (ARV), hat nicht nur den Gesundheitszustand der Betroffenen verbessert, sondern auch das Gesicht der Krankheit verändert. Neben Stabilisierung des Gesundheitszustandes und Akzeptanz der Medikamente sind auf gesellschaftlicher Ebene Effekte entstanden, die paradox erscheinen: Die Krankheit wurde unsichtbar. Infizierte werden in der Öffentlichkeit vornehmlich als Profiteure und Kollaborateure wahrgenommen. Als krank gelten nur jene, die im Spital oder zu Hause im Bett liegen.

Die wissenschaftliche Studie belegt ausserdem, dass AIDS eng mit Profit und Einflussnahme und damit allgemein mit ökonomischen Aspekten verknüpft ist. Diese Entwicklungen werden jedoch bisher noch nicht im Präventionsbereich berücksichtigt. Hier ist deshalb Handlungsbedarf angezeigt.

Erst Zuhören, dann Handeln – neues Denken bei der AIDS-Prävention: Eine Möglichkeit, dieser Situation zu begegnen, besteht darin, die offizielle Präventionskommunikation aus ihrer eindimensionalen Geschlossenheit zu befreien. Noemi Steuer, Autorin der IAMANEH-Studie, stellte immer wieder in Gesprächen fest, dass das Thema AIDS viel Diskussionspotential birgt. Die Herausforderung einer veränderten Präventionskommunikation muss darin bestehen, die Handlungsfähigkeit der Bevölkerung zu fördern und sie in ihrer Auseinandersetzung mit kulturellen und sozialen Normen zu unterstützen. Nur so können sie eigene Formen der Verantwortung entwickeln, ohne dass dabei Aktivitäten durch grundsätzliches Misstrauen blockiert werden. Als wichtige Komponente steht deshalb der Verzicht auf Indoktrination, Offenheit, Dialog und die Darstellung von AIDS als einer Pandemie - einer Krankheit, die alle treffen kann.

„Strassenkinder gegen AIDS“ – IAMANEH beschreitet neue Wege

Die Studie ist Teil des IAMANEH-Projektes „Strassenkinder gegen AIDS“: Ziel dieser medizin-ethnologischen Untersuchung ist, die Bedürfnisse der Betroffenen und deren Familien besser zu erfassen. Die Studie gibt einen Einblick in die Erfahrungen und Problemfelder der jungen Menschen und zieht Rückschlüsse für eine verbesserte und Erfolg versprechende Aidsprävention in Mali.

IAMANEH Schweiz/Noemi Steuer: "Erfahrungen von HIV/Aids-Betroffenen während der Freigabe von antiretroviralen Therapien", 21 Seiten, Bezug: bei IAMANEH Schweiz, Basel.
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