„C'est la parole qui tue“
Erfahrungen von HIV/Aidsbetroffenen während der Freigabe von antiretroviralen Therapien in Mali. Der im Auftrag von IAMANEH Schweiz verfasste Bericht von Noemi Steuer basiert auf einer qualitativen, ethnologischen Forschung in Bamako und Mopti (Mali), welche 8 Monate dauerte und sich über einen Zeitraum von 2 Jahren erstreckte (Dezember 2003 – Dezember 2005). Der Schwerpunkt der Arbeit liegt bei den Krankheitserfahrungen von HIV/AIDS Betroffenen und den eigenen Wegen, die sie beschreiten, um ihre oft schwierigen Situationen zu bewältigen. Im Zuge der Freigabe von antiretroviralen (ARV) Therapien beinhaltet sie des Weiteren Überlegungen zu einem veränderten Präventionsangebot.
Krankheitserfahrungen von Betroffenen lassen erkennen, dass körperliche, ökonomische und soziale Aspekte eng miteinander verflochten sind. Die vorherrschenden Sorgen gelten der Wiederherstellung oder dem Schutz der sozialen Identität. Dabei sind der gesundheitliche Zustand und die finanziellen Möglichkeiten von ausschlaggebender Bedeutung. Ausgehend von einzelnen Portraits werden drei für die Betroffenen zentrale Themen – Armut, Stigmatisierung und Mitteilung der Seropositivität – beleuchtet und kontextualisiert. Ein weiteres Kapitel ist dem Erfahrungsprozess gewidmet. Hier wird deutlich, dass die Therapien zwar erstmal eine Verbesserung des Gesundheitszustandes bewirken und damit auch eine Rückkehr in die soziale Akzeptanz ermöglichen, dass sich die Krankheit aber nach einer gewissen Zeit in anderen Bereichen bemerkbar macht. Insofern bilden die (vermeintlichen) Lösungen der ursprünglichen Probleme die Basis von neuen Schwierigkeiten. Erhältlich auf deutsch und französisch. (2006)